Gesunde Füße für Ihr Kind - Larsen

KINDER Zeigt her eure Füsschen (Gesundheit Sprechstunde)

Tipps für den Kinderschuhkauf (Brückenbauer Nr. 13, 27.03.2001)

 

Gesunde Füße für Ihr Kind - Larsen

Larsen
Gesunde Füße für Ihr Kind

2002 / 96 Seiten / 20 Abbildungen / 55 Fotos Tabellen/ Kartoniert
EUR 14,95
ISBN 3830430248

Gut zu Fuß - ein Leben lang
Dieser pfiffige Ratgeber bietet Ihnen Fußbewusstsein, einleuchtend und leicht verständlich: Was ist beim Schuhkauf zu beachten? Hat mein Kind Knick-Senkfüße? Wie können Fehlstellungen erkannt und vermieden werden? Gesunde Füße sind leistungsstarke und zuverlässige Träger des Menschen. Lesen Sie, wie Sie Ihrem Kind in jungen Jahren auf die Beine helfen.

 


 

KINDER Zeigt her eure Füsschen

Dr. Thomas Böni, leitender Arzt an der orthopädischen Klinik Balgrist.

Fast jedes zweite Kleinkind trägt zu enge Schuhe. Die schlimmsten Folgen davon sind Wachstumsschäden. Dr. Thomas Böni von der Klinik Balgrist in Zürich sagt, wie sie verhindert werden können.
Aschenputtels böse Stiefschwestern schnitten sich selber ein Stück von der Ferse weg, damit der Fuss in den zierlichen Glasschuh passte. Kleinkinder ziehen, weil sie nicht klagen können, einfach ihre Zehen an, wenn ihre Füsse nicht in die Schuhe passen. So können sich mit der Zeit Hammerzehen oder ein so genannter Halux entwickeln, weil die grosse Zehe im engen Schuh schräg an die andern Zehen gepresst wird. Diese Verformungen lassen sich verhindern. Thomas Böni, Leitender Arzt der Orthopädischen Universitätsklinik Balgrist, erklärt wie: "Die Schuhe müssen lang und breit genug sein, damit sie weder vorne noch seitlich drücken. Um passende Schuhe zu finden, muss man Kinderfüsse jeweils neu ausmessen."
Der Schweizerische Schuhhändler-Verband nimmt dieses Anliegen ernst und arbeitet mit den Orthopäden zusammen, damit Kinderschuhe optimal zu den Füssen passen.
In den meisten Schuhgeschäften wird deshalb mit dem deutschen Weitenmasssystem WMS gearbeitet. Viele Eltern wissen gar nicht, dass ausser der Länge auch die Breite des Fusses für eine optimale Passform ausschlaggebend ist. Das WMS, nach dessen Massen einige europäische Kinderschuhhersteller produzieren, unterscheidet drei Breiten: weit - mittel - schmal.
Weil die meisten Geschäfte nur eine beschränkte Lagerkapazität haben, sind oft nur die gängigsten Weiten eines Modells vorrätig. Wenn der passende Schuh also nicht in der richtigen Weite vorhanden ist, sollten Eltern auf jeden Fall darauf bestehen, dass er bestellt wird.
Aber warum sagen die Kinder eigentlich nichts, wenn der Schuh drückt? Thomas Böni: "Beim Kleinkind sind die Fussknochen noch weich und knorpelig. Die Verknöcherung des Fusses entwickelt sich etappenweise. Solange das Wachstum nicht abgeschlossen ist, kann ein Fuss durch äussere Einwirkungen wie enge Schuhe verformt werden, ohne dass es schmerzt."
Es kann nicht generell gesagt werden, von welchem Alter an Kinder Schuhe brauchen. Thomas Böni hält jenen Zeitpunkt für richtig, wenn das Kind draussen allein stehen kann. Das ist meistens im Alter von etwa zwei Jahren der Fall. "Schuhe sind im Grunde genommen eine Notlösung. Sie schützen uns vor Verletzungen, Kälte und Nässe, dämpfen aber auch den Schritt auf den harten künstlichen Böden. Man sollte Kinder möglichst oft barfuss gehen lassen - etwa im Sandhaufen oder auf einer Wiese. Wenn man zu Hause Spannteppiche hat, sind Pantoffeln nicht nötig."
Teure Schuhe vom Fachhandel müssen nicht unbedingt besser sein als billige aus dem Supermarkt. "Auch günstige Schuhe können aus atmungsaktivem Material gefertigt sein und die Bewegung des Fusses mitmachen." Im Supermarkt fehlt jedoch häufig die fachliche Beratung, und die Kunden können sich die Füsse kaum ausmessen lassen oder das passende Modell nachbestellen, wenn das Lager leer ist.
Inzwischen gibt es aber Messsysteme, mit denen die Eltern die Fusslänge und -breite ihres Kindes sowie die Innenmasse des Schuhs selber ermitteln und vergleichen können (beachten Sie dazu auch das exklusive Leserangebot in der Mitte dieses Heftes).
Gegen die immer wieder bemängelten und von Kindern doch heiss geliebten Turnschuhe hat der Spezialarzt Thomas Böni absolut nichts einzuwenden: "Der Turnschuh dämpft den Schritt, was vor allem auf harten Betonböden und auf Strassen notwendig ist. Die meisten Turnschuhe sind heute ausserdem aus Materialien gearbeitet, die den Wasserdampf nach aussen abgeben, damit das Kind an den Füssen nicht schwitzt."
Die Kinderfüsse entwachsen den Schuhen in der Regel schnell. Wenn der Schuh qualitativ gut verarbeitet und intakt ist, kann er problemlos von einem anderen Kind nachgetragen werden.
Sollte ein Kind an Fussdeformationen leiden, hilft das passende Schuhwerk, solange der Fuss noch formbar ist. Mit Einlagen lassen sich Schäden jedenfalls nicht beheben. Im Extremfall ist sogar ein operativer Eingriff erforderlich.
Die flachen Abdrücke von nassen Kleinkinderfüssen bedeuten selten Grund zur Besorgnis, auch wenn sie an Plattfüsse erinnern. Denn die Form des Fusses verändert sich während des Wachstums.

DANIELA BIEDERMANN

 

Das zeichnet einen fussgerechten Kinderschuh aus:

  • Der Kinderschuh sollte die natürliche Bewegung des Fusses aufnehmen und mitmachen, ohne ihn einzuengen.

  • Ein funktionsfähiger, gesunder Kinderfuss muss nicht gestützt und geführt werden, sondern sich bewegen können. Darum sollten das Oberleder, der Schaft und auch die Fusssohle beweglich sein.

  • Beim Schwitzen sollte durch das Material des Schaftes Wasserdampf abgegeben, oder in der Brandsohle, die mit dem Fuss in direktem Kontakt ist, aufgenommen werden.

  • Die Zehenhöhe muss gewährleistet sein. Das sind im Minimum 14 Millimeter bei Grösse 24, 17 Millimeter für Grösse 31 und 18 Millimeter für Grösse 37.

  • Die Zehen müssen spielen können. Die Schuhlänge setzt sich zusammen aus der absoluten Fusslänge plus eine von der Schuhgrösse abhängige Zugabe. Zwischen 9 und 15 Millimeter sollten es aber auf jeden Fall sein.

 


 

Tipps für den Kinderschuhkauf

Untersuchungen zeigen, dass Kinderfüsschen sehr oft in viel zu kleinen Schuhen stecken. Tipps für den Kinderschuhkauf.

Zeigt her eure Füsse, zeigt her eure Schuh…», heisst es im Kinderlied. Schaut man dann genau hin, zeigt sich, dass kaum ein Kind wirklich passende Schuhe trägt. «Meist sind sie zwei oder drei Nummern zu klein, was immerhin fast zwei Zentimeter ausmachen kann», erklärt Wieland Kinz, der seine Abschlussarbeit als Sportwissenschafter an der Uni Salzburg diesem Thema gewidmet hat.

-Kinderfüsse sind nicht einfach eine Miniaturausgabe von Erwachsenenfüssen. «Weil sich das Nervensystem und damit die Empfindlichkeit der Füsse erst entwickeln muss, spüren Kinder oft nicht, ob der Schuh drückt», erklärt er. Ausserdem seien Kinderfüsse weicher und biegsamer und passten darum auch so gut in viel zu kleine Schuhe.

- Laufen, Gehen, Springen - wir setzen einfach voraus, dass die Füsse funktionieren. 98 Prozent der Menschen kommen mit gesunden Füssen zur Welt, aber nur noch 40 Prozent der Erwachsenen haben gesunde Füsse. Ein Grund, genau hinzuschauen, wo der Kinder-Schuh drückt.

Marlise Santiago

 

Das müssen Sie wissen

  • Der Schuhinnenraum sollte 12 mm länger als der Fuss sein. Weite und Zehenspielraum beachten.
  • Daumenprobe: Wenn das Kind steht, mit einer Hand leicht auf die Zehen drücken, mit dem Daumen der anderen Hand vorne bei beiden Füssen «messen».
  • Fussmessgerät: Damit werden Länge und Breite des Fusses gemessen und anhand einer Skala die Schuhgrösse ermittelt. Achtung: Längst nicht alle Kinderschuhe sind nach dieser Norm gefertigt.
  • Schablone: Kind barfuss auf einen Karton stellen. Umriss beider Füsse nachzeichnen. Bei der längsten Zehe 12 mm zugeben. Ausschneiden. Lässt sich diese Schablone leicht in den Schuh legen, passt er.
  • Einlagesohle: Falls die Einlagesohle eines Schuhs herausnehmbar ist, Kind draufstellen.
  • Regelmässig kontrollieren, ob die Schuhe noch passen. Faustregel: 1 bis 3 Jahre: alle 2 Monate. 3 bis 4 Jahre: alle 4 Monate. 4 bis 6 Jahre: alle 6 Monate.

 

Der Schuhkauf

  • Erst wenn das Kind gehen kann. Kleine Füsschen entwickeln sich besser ohne Schuhe.
  • Lauflernschuhe sind unnötig.
  • Das Material soll weich und geschmeidig, die Sohle flexibel sein. n Keine geformten Einlagesohlen.
  • Schuhkauf am Nachmittag, Füsse wachsen im Lauf des Tages.
  • Socken müssen sitzen.

Sehr nützlich:
Kinderfuss-Messsystem BIMS, das die Kinderfusslänge und auch die Schuhinnenlänge ausmessen kann. Siehe www.bims.ch

 

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